Wenn Kering und das Festival de Cannes am 17. Mai im Rahmen der 79. Festivalausgabe zum Women in Motion Award laden, wird eine Schauspielerin geehrt, deren Karriere seit Jahrzehnten für künstlerische Konsequenz, emotionale Präzision und eine bemerkenswerte Unabhängigkeit steht. Julianne Moore erhält 2026 die Auszeichnung, mit der seit 2015 Frauen gewürdigt werden, die die Rolle von Frauen im Kino und in der Gesellschaft nachhaltig geprägt haben.
Die Wahl wirkt folgerichtig. Moore gehört seit langem zu den prägenden Gesichtern des internationalen Kinos und hat sich mit Filmen wie Still Alice, Far From Heaven, The Hours, The Kids Are All Right und Boogie Nights einen Platz unter den bedeutendsten Darstellerinnen ihrer Generation erarbeitet. Ihre Laufbahn ist von Vielseitigkeit und Tiefe geprägt, zugleich aber auch von einer bemerkenswerten Klarheit in der Auswahl ihrer Figuren. Immer wieder sind es Frauenrollen, die nicht auf einfache Identifikation zielen, sondern Widersprüche, Verletzlichkeit, Stärke und Ambivalenz sichtbar machen.

Genau darin spiegelt sich auch der Gedanke von Women in Motion. Das Programm wurde von Kering gemeinsam mit dem Festival de Cannes ins Leben gerufen, um weibliche Stimmen in Kunst und Kultur sichtbarer zu machen und konkrete Unterstützung für neue Talente zu schaffen. Moore steht dafür nicht nur durch ihre Arbeit vor der Kamera, sondern auch durch ihr Engagement jenseits des Kinos. Kering hebt ausdrücklich hervor, dass sie sich seit Jahren für mehr Repräsentation und Gleichberechtigung einsetzt und damit jene Werte verkörpert, die Women in Motion seit Beginn prägen. Hinzu kommt ihr gesellschaftliches Engagement, etwa als Gründungsvorsitzende des Creative Council von Everytown for Gun Safety.
Dass Moore nun in Cannes geehrt wird, ist auch deshalb bemerkenswert, weil ihre Karriere in besonderer Weise von internationaler Anerkennung begleitet wurde. Sie ist die erste amerikanische Schauspielerin, die bei den Filmfestspielen in Berlin, Venedig und Cannes jeweils den Hauptpreis für eine schauspielerische Leistung erhielt. Zuletzt war sie unter anderem in Todd Haynes’ May December, in Pedro Almodóvars The Room Next Door, in Apples Echo Valley, der Netflix Serie Sirens sowie in der Historienserie Mary & George zu sehen. Auch jenseits des Films bleibt sie präsent, unter anderem als Kinderbuchautorin der Freckleface Strawberry Reihe.
Neben der Ehrung für Julianne Moore rückt Women in Motion auch 2026 wieder eine neue Regiestimme ins Licht. Der Emerging Talent Award geht an Margherita Spampinato, deren erster Langfilm Gioia Mia bereits in Locarno auf sich aufmerksam gemacht hat. Verbunden ist die Auszeichnung mit einer Förderung in Höhe von 50.000 Euro, die die Entwicklung ihres zweiten Spielfilmprojekts unterstützen soll. Spampinato wurde von der Vorjahrespreisträgerin Marianna Brennand ausgewählt.

Mit Gioia Mia erzählt Spampinato die Geschichte eines jungen Jungen, der während eines unerwarteten Aufenthalts in einer sizilianischen Küstenstadt Liebe, Erinnerung und Geheimnisse entdeckt. Kering und das Festival beschreiben den Film als poetisch und zutiefst menschlich, als Werk, das die Frische kindlicher Wahrnehmung mit Themen wie Weitergabe, verborgenen Geschichten und dem Unsichtbaren verbindet. Damit steht die Regisseurin exemplarisch für jene neue Generation von Filmemacherinnen, die Women in Motion nicht nur sichtbar machen, sondern konkret stärken will.
