Mit Giorgio Bargiani rückt 2026 einer jener Barkeeper ins Zentrum, die die internationale Barszene nicht nur durch Technik und Kreativität prägen, sondern vor allem durch Haltung. Der in Italien geborene stellvertretende Leiter der Mixologie der Connaught Bar in London wurde mit dem Altos Bartenders’ Bartender Award 2026 ausgezeichnet. Vergeben wird der Preis im Rahmen der ersten Ausgabe von Europe’s 50 Best Bars und er gilt als besondere Form der Anerkennung, weil nicht eine Jury aus Distanz entscheidet, sondern Kolleg:innen aus der Branche selbst darüber abstimmen, wer im jeweiligen Zeitraum den größten Einfluss auf die globale Barkultur hatte.
Gerade darin liegt das Gewicht dieser Auszeichnung. Sie misst nicht nur Sichtbarkeit, sondern Respekt. Sie zeichnet nicht bloß einen bekannten Namen aus, sondern jemanden, dessen Arbeit im Berufsalltag anderer Bartender tatsächlich Spuren hinterlassen hat. Bei Bargiani scheint genau das der Fall zu sein.
Sein Weg in diese Position beginnt in Pisa, wo er in einem familiären Gastronomieumfeld aufwuchs. Früh entwickelte sich daraus eine Nähe zur Gastfreundschaft, die später in lokale Barerfahrung, internationale Stationen und schließlich in führende Rollen im Splendido in Portofino und im Le Manoir aux Quat’Saisons mündete. 2014 kam er als Bar Back in die Connaught Bar, 2019 wurde er Head Mixologist, später übernahm er eine leitende Direktionsfunktion.
Dass sein Name heute so eng mit der Connaught Bar verbunden ist, überrascht nicht. Kaum ein anderer Ort in London steht so sehr für eine Form von Barkultur, die Präzision, Eleganz und persönliche Nähe miteinander verbindet. Bargiani hat diese Handschrift nicht nur fortgeführt, sondern mitgeprägt. Besonders eng wird sein Name mit dem weltberühmten Martini Service der Bar verbunden, ebenso mit jener Form der Gastlichkeit, die sich nicht in Ritualen erschöpft, sondern jede Begegnung auf eine fast stille Weise persönlich macht.
Gleichzeitig reicht sein Einfluss weit über eine einzelne Bar hinaus. In der internationalen Szene gilt er als jemand, der Teams aufbaut, Wissen weitergibt und Verbindungen schafft. Das ist auch der Grund, warum die Auszeichnung so stimmig wirkt. Sie ehrt nicht nur einen exzellenten Barkeeper, sondern eine Persönlichkeit, die das Selbstverständnis moderner Bararbeit mitformt.
Emma Sleight von Europe’s 50 Best Bars beschreibt Bargiani als feste Größe einer der renommiertesten Hotelbars Londons und betont insbesondere seine Herzlichkeit, Großzügigkeit und sein serviceorientiertes Verständnis von Bartending. Es ist eine Beschreibung, die gut erklärt, warum seine Kolleg:innen ihn nun gewählt haben. Denn große Barkultur entsteht längst nicht mehr nur über spektakuläre Drinks, sondern über die Qualität der Erfahrung, die dahintersteht.
Bargiani selbst reagierte auf die Ehrung mit spürbarer Demut. Er sehe darin vor allem eine Würdigung jener positiven Einflüsse und Verbindungen, die in der Branche Tag für Tag entstehen. Genau dieser Gedanke macht die Auszeichnung so interessant. Sie erzählt nicht vom Starkult hinter dem Tresen, sondern von einer Barwelt, in der Gemeinschaft, Austausch und gegenseitige Inspiration wieder stärker in den Vordergrund rücken.
Mit der Ehrung von Giorgio Bargiani setzt Europe’s 50 Best Bars gleich in seiner ersten Ausgabe ein deutliches Zeichen. Exzellenz im Glas bleibt wichtig. Noch wichtiger ist offenbar, was ein Mensch für die Kultur hinter dem Drink bedeutet.
